31.10.2011 Wir bauen Brücken - erfolgreich! - Eine Sammlung von Eindrücken zu unserer Kulturwoche 2011 Nelson-Mandela-Schule im Stadtteil Kirchdorf. 26. September 2011. 7:30 Uhr morgens. Die ersten Schülerinnen und Schüler betreten das Gebäude. Jetzt schon? - Ja, heute beginnt die Kulturwoche.
Die meisten der Kurse beginnen zwischen 8:30 und 9:00 Uhr. Angenehm! Und feste Pausen, nein, auch die gibt es in dieser Woche nicht, denn die Gruppe pausiert nach Bedarf. Klappt das? Ja! Das Ende der Arbeitszeit wird durch die Kursleitung festgelegt und richtet sich nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Teams. Bist du fertig mit deiner Arbeit? Gut, dann ist Schluss für heute!
Die scheinbar lockere Arbeitshaltung verfehlt kaum ihre Wirkung: In scheinbarer Loslösung von starren Konzepten und Grenzen probieren die einzelnen Neues, bauen Modelle, errechnen statische Belastungen, werken mit Holz oder schreiben Nachrichten oder Berichte. Sie alle haben gemeinsam, dass sie Brücken entwerfen: Brücken zwischen verschiedenen Menschen, Brücken zu unterschiedlichen Kulturen, Brücken, die einen Ort mit dem anderen verbinden. Und sie finden zu sich! Jede/jeder durfte aus einem umfangreichen und vielseitigen Angebot Kurse nach ihrem/seinem Interesse anwählen. In einem sorgfältigen Prozess wurden daraus bewusst „bunte“ Gruppen gebildet: TeilnehmerInnen aus verschiedenen Klassen der verschiedenen Jahrgangstufen wurden einander den Kursen Dadurch entstehen neue Verbindungen in der Schule. Die SchülerInnen lernen einander neu kennen; die Jüngeren und Älteren profitieren voneinander, sie helfen sich gegenseitig. Nicht das Alter spielt eine Rolle, sondern das Vermögen, die Fähigkeit, das Interesse. So entsteht ein eigenes Kochbuch mit internationalen Rezepten, die selber auch ausprobiert werden müssen: Mmmmmh, schmeckt lecker! Wer hat dieses Rezept mitgebracht? Ach, es stammt aus Tunesien?! Wo liegt das? Es entsteht auch ein neues Bild der Welt auf der Spur der Gewürze der Welt, die hier mit den Lebensspuren der Familien der Kinder verknüpft wird.
Und im angegliederten Medien Dock proben die Tänzerinnen und Tänzer verschiedener Klassen unter Anleitung der jungen Profitänzerin Nika Viehstädt sowie der Zwillinge Maresa und Lalissa aus dem 9. Jahrgang, ihre Performance, eine Mischung aus Folklore, Hip Hop und modernem
Manch eine Gruppe scheint zu scheitern: „Sie arbeiten nicht mit!“ Doch benötigt es manchmal nur einen kurzen Anstoß, ein Schulterschluss zwischen den Workshop-Teilnehmern, das Ziel der gemeinsamen Abschlusspräsentation vor Gästen am Donnerstag … schon gelingt es, diese bunte Gruppe auf ein gemeinsames Ziel hinzuführen:
Und die Sportler stellen Pyramiden auf. Hier ist Teamarbeit gefragt, Verlässlichkeit. Kein Problem!? Doch, ist es! Bei ihrer Präsentation am Donnerstag vor anderen klappt dann alles „wie am Schnürchen“!
Störer? Ja, die gibt es! Sie wird es immer und überall geben, denn sonst wäre Schule ja keine reale Welt. Und die ist auch unsereSchule.
Doch haben wir tolle Kursleiter, die einmal mehr ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen: Es wird eine wohl eine neue KuWo geben?! Und dann wird es auch neue Projekte geben, die hier neu greifen können. So, wie es Schule hier noch besser kann als im regulären Unterricht; grenzenlos eben.
Und sie können teilweise von den Kompetenzen von außen profitieren, die (zum Teil ohne Honorar) ihre Teilnahme zusicherten: Dr. Nölting von der Hafen-City-Universität (HCU) war der erste, der auf ein Gesuch hin lange nachfragte und dann entschieden „Ja!“ sagte. Hier profitierte v.a. die Oberstufe, die an mehreren Führungen bereits vor der offiziellen Kulturwoche zu Hamburgs Brücken teilnahm sowie statische Berechnungen im Mathematikunterricht vornahm und einen praktischen Bezug zum Brückenumfeld der Insel Wilhelmsburg erwarb.
Kwabena Denteh baut die Brücke nach Afrika (immerhin nennen wir jetzt nach Nelson Mandela, der bekanntlich aus Afrika kommt). Die Gruppe lernt und gibt weiter: Wasser ist kostbar! Bilder von den Hungersnöten Afrikas haben einen ganz anderen Bezug bekommen. Arne Theophil, „roadmanager“ aus Wilhelmsburg, zieht mit seinem Workshop musizierend über die Insel. Er wird Spuren hinterlassen. Auch in der Gruppe.
Die freie Theaterpädagogin Sibylle Singer baut die Brücke zum Herzen der Menschen. Was erst fremd und unbekannt ist, findet zueinander: Am Ende der Woche haben die Teilnehmerinnen und der einzige Teilnehmer gemeinsam viel erlebt, sich ausgetauscht, gesucht, gefunden und gebastelt.
Selbstredend: Die „Gäste“ von außen sind Bereicherung, Hilfe, Abwechslung. Ihre Kompetenzen werden dankbar aufgenommen und begleitende Lehrkräfte schwärmen von einer einmal ganz anderen Art der gemeinschaftlichen Arbeit mit den Schülern:
Unsere Fachkräfte finden für unsere Schüler_innen Brücken zwischen den Kulturen und der unterschiedlichen Sprache der Menschen, nutzen das Theater und finden in Rollenspiele Zugang zu diesen Themen.
… oder um eine Brücke in die Herkunftsländer, die neue Heimatstadt der SchülerInnen oder in den Stadtteil zu bauen: Wir arbeiten mit dem Alten- und Pflegeheim „Pflegen und Wohnen in Wilhelmsburg“ zusammen und versuchen erfolgreich einen Brückenschlag zwischen den Generationen. Und im Haus der Jugend Kirchdorf lernen die Jugendlichen durch die Mitarbeit des engagierten Personals die Möglichkeit sinnvollerFreizeitgestaltung kennen. Ja, freiwillige Helfer sind auch in unserem Stadtteil immer wieder erstaunlich schnell gefunden: Eine direkte Ansprache vermag überall schnell die Türen zu öffnen. Noch ein paar Workshops: Hamburg ist eine Wasserstadt: Wer kennt Hamburgs Hafen? Ein Muss!
Kinder und Jugendliche, die miteinander ihre Stadt erkunden, sich auf den Weg machen. Gemischte Gruppen, die ein gemeinsames Ziel haben und Zusammenarbeit lernen und am vierten Tag gemeinsam ihr Ergebnis vorstellen.
Ja, die Kulturwoche der Nelson-Mandela-Schule ist erfolgreich. Stimmen werden laut, die eine weitere KuWo „fordern“. Wer mag da „Nein!“ sagen?
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