Kulturtage des 5. und 6. Jahrgangs der STK |
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Am 16. und 17. 2. fanden in der Stadtteilschule Kirchdorf die ersten Kulturtage für die Jahrgänge 5 und 6 statt. In 15 verschiedenen Workshops beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Kulturtechniken, wobei besonderes Gewicht auf eine kreative und praktische Herangehensweise gelegt wurde.
Diese Kulturtage hätte es nie gegeben, wenn unsere Musik- und Kunstkollegin Elisabeth Hintze nicht einen Traum gehabt hätte – den Traum von einer Beschäftigung mit fremden Kulturen, die über bloße Unterhaltung hinausgeht. Sie wollte die Parolen von einem „friedlichen Miteinander“ und „bereichernder Vielfalt“ nicht mehr hören, wenn gleichzeitig keine Anstalten gemacht werden, fremde Kulturen besser kennen zu lernen und diese in unseren Alltag oder unsere Denkweise einfließen zu lassen. Da wir in einem multinationalen Viertel arbeiten und unsere Schüler immerhin aus mehr als 50 Nationen kommen, sind die Bedingungen an unserer Schule extrem günstig. So suchte E. Hintze nach einem Weg, die real existierenden Kompetenzen der am Schulleben Beteiligten , vor allem der Eltern und Schüler, öffentlich und fruchtbar zu machen. Mit unglaublicher Beharrlichkeit ging sie ans Werk, räumte ein Hindernis nach dem anderen aus. Da waren zunächst unsere Bedenken, ob man wohl Eltern finden könnte, die ihr Wissen in Workshops weitergeben würden oder ob unsere Schüler diese Themen so interessant und wichtig finden, dass sie mehrere Tage lang an ihnen arbeiten wollen. E. Hintze ließ sich nicht verunsichern. Sie suchte Gespräche mit Kolleginnen und modifizierte ihren Plan. Sie präsentierte ihre Idee im Müttercafé und erntete Begeisterung. Sie stellte sie im Elternrat vor und fand breite Zustimmung. Im didaktischen Ausschuss bekam sie zum Schluss grünes Licht für zwei Projekttage in den Jahrgängen 5 und 6. Vorbereitung der Kulturtage Und damit begann die nächste Phase, denn nun mussten interessante Themen und kompetente Teamer gefunden werden: Eltern, Oberstufenschüler, Kollegen. E. Hintze warb – und fand beachtlichen Zulauf. So konnte in kurzer Zeit ein ansprechendes Programm auf die Beine gestellt werden. Eine große Hilfe waren ihr in dieser Zeit ihre Kolleginnen und Kollegen aus den beiden Jahrgängen, die - teils selbst mit migrantischem Hintergrund – spontan Workshops anboten. Auch Thale Hespos-Dude, Mutter eines Fünftklässlers und im Elternrat aktiv, schaltete sich in die Vorbereitungen ein. Workshops In insgesamt 15 Workshops beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit Themen, zu denen sie teilweise über ihre Herkunft einen Bezug hatten, doch auch kulturelle Aspekte aus anderen Ländern wurden angeboten. „Spiele der Inuits und Indianer“ war das Motto in der Turnhalle. Hier erlebten die Teilnehmer, dass es in der Sportwelt nicht nur Fußball und Tischtennis gibt, sondern dass in Grönland z.B. Alaskan High Kick oder Stick Pull gespielt werden. Auch Kinder unserer Zivilisation lassen sich davon anstecken – weshalb hätte Adem aus der 6d sonst noch zwei Tage später schwärmen sollen: „Hey, ich habe den Ball doch glatt 1,55 m hochgekickt!“? „Tätowierungen – erstelle dein Tatoo“ lautete das Angebot in Raum 70. Hier sah man viele Kids, Jungs und Mädchen, die erst fantasievolle Muster zeichneten und dann eine Schablone herstellten, mit der sie abwaschbare Tatoos auf den Körper applizierten. Wen wundert es, dass es ein Großteil der Jungs abends vorzog, nur im Unterhemd durch das Schulhaus zu laufen? Der Adler, das Auge oder der Tigerkopf auf ihrer Schulter kamen dadurch erst richtig zur Geltung! Dass sie so nebenbei auch etwas über die Tätowierkunst der Maori, Ureinwohner Neuseelands, erfuhren – ein schöner Nebeneffekt! Die Workshops deckten sehr unterschiedliche Bereiche ab. So lernten die Kinder mit „Schwindli“ ein ungarisches Kartenspiel kennen, bereiteten in „Internationale Küche“ afrikanische Hähnchenspieße mit Erdnusssoße zu oder backten echt italienische Pizza. Im Origamikurs zauberten sie aus Buntpapier einen Teich mit Fischen, Fröschen, Wasserschlangen und einer Menge Seerosen, andere Kinder lernten ihre Namen und Lieblingswörter in kyrillisch oder persisch schreiben. Das Märchen von der Mohnblume Ein ganz besonderes Highlight bot der Workshop zum Märchen von der Mohnblume, geschrieben von Rafik Shami. Diese Mohnblume hat große Angst, hinter einen Stein zu sehen, der ihr die Sicht in die Welt versperrt. Doch sie ist neugierig. Sie will so gerne wissen, wie es hinter dem Stein aussieht. Man versucht sie davon abzuhalten, doch sie lässt sich nicht bange machen. Sie überwndet ihre Angst, geht hinter den Stein – und entdeckt eine wunderschöne neue Welt. Dies gilt für alle Workshops. Die Themen sprachen die Teilnehmer so an, dass sie zwei Tage lang diszipliniert arbeiteten, und da die Gruppen klein und jahrgangsübergreifend zusammengesetzt waren, konnten sich die Jungs und Mädchen auf eine neue Weise kennen lernen. Auch bei der Präsentation der Ergebnisse am Donnerstag Abend in der Aula war die heitere, freundschaftliche Stimmung deutlich spürbar. Bühnenprogramm Als Moderatorinnen führten die beiden Oberstufenschülerinnen Ines Saad und Alberta Boateng durch den Abend. Dabei gelang es ihnen, die aufgeregten Fünft- und Sechstklässler sehr bestimmt zur Ruhe zu bringen und gleichzeitig mit Charme auf alle Unwägbarkeiten zu reagieren, die ein Bühnenauftritt haben kann. Der Abend begann mit einigen türkischen Liedern, die Derya Yildirim und Duygu Agal Weiterführung der Kulturtage Wir in der Stadtteilschule Kirchdorf sind noch mittendrin in unserer Geschichte.. Im Moment fragen wir uns, wie wir diese überaus gelungenen Kulturtage weiterführen können. Sollen sie auf die Jahrgänge 5 und 6 beschränkt bleiben oder kann die ganze Schule einbezogen werden? Sind zwei Tage der richtige Rahmen oder braucht man für eine wirkliche Vertiefung mehr Zeit? Wie können noch mehr Eltern einbezogen werden? Es bleiben viele Fragen, doch eines steht fest: es wird weitere Kulturtage geben. Das Fundament ist gelegt, nun bauen wir das Haus. Maria Gawrosch
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